Eigenwillige Pflanzen

Plötzlich blüht eine der sonnengelben Rosen im Vorgarten schweinchenrosa, die purpurrote Prachtdahlie zeigt einzelne weiße Blütenblätter und die Hortensien präsentieren sich nur noch in Rosa statt in Tiefblau. Was ist passiert ?

Für die meisten solcher Eigenwilligkeiten gibt es eine Erklärung, verhindern lassen sie sich jedoch nur bedingt. So ist bei einigen Pflanzen die Farbe der Blüten nicht genetisch festgelegt, sondern von den Bodenbedingungen wie pH-Wert und Nährstoffzusammensetzung abhängig.

Hortensien z.B. brauchen Aluminium im Boden, um blau zu blühen. Das kann man mit speziellen Hortensiendüngern zu führen oder mit Alaun aus der Apotheke. Es muss allerdings auch frei für die Wurzeln verfügbar sein, was nur bei einem stark sauren ph-Wert der Fall ist. Steuern lässt sich das, indem Sie regelmäßig reichlich frische Rhododentronerde, Häckseln oder Rindenmulch unter den Pflanzen verteilen. Wichtig ist dann, mit viel weichem Wasser zu gießen, damit das Aluminium in den Boden eingewaschen wird und von der Wurzel aufgenommen werden kann.

Anfällig für einen Farbwechsel zeigen sich hin und wieder auch Roseneibisch, und zwar in erster Linie Hybriden, bei denen die gängige

Arten gekreuzt wurde, je nach Bodenbedingungen, Witterung, Licht und Luftfeuchtigkeit wird dann aus einem kräftigen Rot auf einmal ein blasses Rosa und Gelb wird zu Orangerot oder Weiß. Die Gründe hierfür sind vergleichsweise wenig erforscht. Klare Empfehlungen existieren nicht, außer den Farbwechsel zu akzeptieren.

Viele Ziersträucher sind auf eine Unterlage veredelt, das heißt, ihr unterer Teil stammt von einer wilden Form oder einer anderen Art, die gut Wurzeln bildet. Darauf wird dann der Teil transplantiert, der blühen soll. Edelrosen z.B. werden oft auf einer anderen, wüchsigeren Rosenart veredelt. Das Problem liegt im Wort wüchsig, denn manchmal kommt diese Unterlage durch. Dann blüht die Zierkirsche an einigen Zweigen mit Vogel-Kirschen-Blüten, die im Januar blühende rote Zaubernuss-Hybride bereits im Herbst wie die Art zitronengelb und das Mandelbäumchen setzt mirabellenartige Früchte an. Als Gegenmaßnahme sollten Sie die wilden Triebe entfernen, ansonsten übernimmt die Unterlage das Kommando und unterdrückt die Edelsorte komplett und unwiederbringlich.

Manchmal ist der Grund auch ein Atavismus. Was futuristisch klingt, ist genau das Gegenteil, nämlich dass eine Zuchtform in ihren Ursprung zurückspringt. Die gefüllte Chrysantheme blüht dann plötzlich ungefüllt wie ihre wilden Ahnen, die als Frühjahrshighlight geplante weiße Forsythie wie alle anderen in schnödem Gelb und Ahorn-Hybriden mit panaschierten, zweifarbigen Blättern tragen einfaches Grün – einfach so und ohne die Möglichkeit, das wieder rückgängig zu machen.

Spontane Mutationen:

Sonnenhüte mit Zwillingsblüten, Dahlien, oder Tulpen, die in ihrem Blütenkranz ein einzelnes weißes Blatt zeigen oder eine Nelkenwurz-Blüte, aus der ein neuer, kleiner, aber kompletter Blütenkopf wächst – all das sind spontane Mutationen, die entstehen, wenn Viren, Bakterien, Schadstoffe oder Hitzestress die Pflanze durcheinanderbringen. Gegenmaßnahmen sind hier nicht nötig, denn das Ganze ist nicht ansteckend. Genießen Sie einfach den Anblick – ohne Sorge, dass auch einmal das ganze Staudenbeet so aussehen könnte.

Mehr über den Obst- und Gartenbauverein Friedrichsfeld erfahren Sie unter www.ogv-friedrichsfeld.de

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