Herbstfärbung – die besondere Atmosphäre

Warum wird im Herbst das Laub der „sommergrünen“ Bäume und Sträucher gelb oder bunt, und warum fällt es ab ? Das ist eine oft gestellte Frage. Vielfach wird angenommen, dass die abnehmende Wärme zu Beginn der kühleren Jahreszeit dafür die Ursache sei. Diese Ansicht ist jedoch nicht ganz richtig. Das Laub wird auch dann gelb und beginnt abzufallen, wenn die Temperaturen noch wesentlich höher liegen als im Frühjahr, zu einer Zeit also, in der sich der umgekehrte Prozess vollzieht, nämlich die Bäume „grün werden“. Gegen Ende September manchen Jahres ist es sogar wärmer als in einigen voraufgegangenen Sommertagen. Die Herbstfärbung der Blätter und der Blattfall haben also mit der Luftwärme weit weniger zu tun als der Blattaustrieb der Laubgehölze im Frühjahr, der von den ansteigenden Temperaturen gefördert wird.

Hier kommt die Wissenschaft zu verschiedenen Überlegungen, die einerseits den Wurzeln der Gehölze, andererseits dem Licht die Ursache für die Laubverfärbung zuerkennen. Vielleicht haben sogar beide Erklärungen recht, zumal es nicht ausgeschlossen ist, dass die Natur sich mehrerer Gründe für das immer wieder faszinierende herbstliche Schauspiel bedient.

Man muss, so sagt es die erste Hypothese, die Wurzeln der Pflanzen als etwas Lebendes betrachten, um diese Vorgänge zu verstehen. Wie sich auch die Zugvögel rechtzeitig in südlichere Regionen begeben, weil sie den kommenden Winter, also die vegetationsfeindliche Zeit vorausahnen, so wohnt der Instinkt der Pflanzen gleichsam in ihren Wurzeln. Sie spüren, dass trotz der herbstlichen Milde, die den „Altweibersommer“ oftmals begleitet, bald der Frost in den Boden eindringen wird. Darum stellen die Wurzeln ihre Tätigkeit ein und lassen allmählich weniger, schließlich gar kein Wasser mehr in die Baumkrone aufsteigen. Die Folge ist eine Art chemischer Reaktion des Blattes, das aus einer Vielzahl kleiner Zellen aufgebaut ist. In dem Lebensstoff der Pflanzen, dem Protoplasma, ist der Zellkern eingebettet, aber auch das Chlorophyll (Blattgrün) neben einer ganzen Anzahl anderer Farbstoffe. Nun weiß man, dass sich Gelb und Blau zu Grün vermischt und dass aus Gelb und Rot die Farbe Orange wird. Dieses Gesetz gilt in ähnlicher Weise, wenn sich die Blätter im Herbst verfärben. Sobald die Wurzeltätigkeit aufhört, wandern die Blaugrünen Chlorophyllteile der Blätter in den Stamm und in die Wurzeln zurück; die gelben Farbtöne aber bleiben übrig, sie rufen die entsprechende Verfärbung der Blätter hervor. Dabei können sich je nach Schnelligkeit der Chlorophyllabwanderung auch rote, rotbraune oder kupferfarbene Töne ausbilden.

Soweit die „ Wurzel-Theorie“. Die andere Hypothese, die dem Lichteinfluss den Vorrang bei der Laubverfärbung gibt, sieht die Dinge etwas anders. Auch sie geht davon aus, dass das Chlorophyll zusammen mit den Zuckerstoffen im Laubwerk abgebaut wird und zwar durch Umwandlung in Eiweißstoffe, die in die Pflanze zurückwandern, damit sie ihr beim nachfolgenden Laubfall nicht verloren gehen. Für diese Umwandlung aber ist eine hohe Lichtenergie erforderlich, die in unseren gemäßigten Breiten meist nicht vorhanden ist, schon gar nicht in dieser Jahreszeit, in der die Tageslänge laufend abnimmt. In dieser Lage bedient sich die Pflanze des Hilfsmittels der Verfärbung ihrer Blätter. Also: Je schwächer das Licht wird, um so bunter werden die Blätter, weil sie auf diese Weise mehr Licht für den dringend notwendigen Umwandlungsprozess der pflanzlichen Aufbaustoffe erhalten.

Die Natur lässt kurz vor dem Abfallen der Blätter zwischen Blattstiel und Zweig eine korkartige Trennungsschicht entstehen. Der Blattstiel lockert sich mehr und mehr und ist schließlich nur noch durch sein Leitgewebe mit dem Ast verbunden. Ein Windstoß, aber auch schon das Eigengewicht des Blattes führt dazu, dass es sich vom Zweig löst und zu Boden fällt.

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