Naturdünger aus dem Handel

Wer auf Kunstdünger verzichten will, hatte noch nie so viele Alternativen wie heute. Das Angebot an käuflichen Natur- und Biodüngern ist fast schon unüberschaubar. Darunter findet sich manch Gutes – aber auch Fragwürdiges, teils sogar mit bedenklichen Inhaltsstoffen.

Klassiker unter den Biodüngern sind Hornspäne und -mehl. Ihre mittleren Gehalte an Nährstoffen sind gut bekannt; ebenso, wie schnell diese jeweils im Boden frei- und umgesetzt werden. Bei neueren Naturdüngern fehlen noch längerfristige Erfahrungen, zumal ihre Zutaten sehr unterschiedlich sind. Es handelt sich um Reststoffe und Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung, der Tierhaltung oder z.B. auch aus Biogasanlagen.

Gegenüber Hornspänen und anderen älteren Düngern bieten neuere Produkte einen Vorteil: Manche werden ausschließlich aus pflanzlichen Rohstoffen hergestellt, was nicht nur Veganer zu schätzen wissen. Verbreitete Grundstoffe sind z.B. Vinasse aus der Zuckerrübenherstellung, Niempresskuchen, Malzkeime und Kakaoschalen. Dagegen gerieten einige frühere tierische Dünger in Verruf, so das Blut- und Knochenmehl. Auch Guano aus verwittertem Seevogelkot wird heute skeptisch angesehen, weil häufig mit Schwermetallen belastet. Außerdem bedroht sein Abbau die Vogelwelt auf den Herkunftsinseln. Im Anbau der wichtigsten Bioverbände sind Blut-, Knochenmehl und Guano daher nicht mehr zugelassen. Federmehl und Schafwolle dagegen sind erlaubt. Gerade Schafwollpellets haben sich in neueren Untersuchungen als gute Mehrnährstoffdünger erwiesen, auch für Zierpflanzen.

Ob pflanzlichen oder tierischen Ursprungs: Das Etikett „Biodünger“ ist oft irreführend. Denn die Ausgangsstoffe entstammen selten der Biolandwirtschaft, sofern das nicht ausdrücklich auf der Verpackung erwähnt wird. Entsprechend wurden in Analysen mancher Naturdünger schon hohe Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden. Das lässt sich nicht verallgemeinern; manche Hersteller arbeiten auch in dieer Beziehung sehr sorgfältig. Trotzdem sollte man sich von der Bezeichnung Natur- oder Biodünger nicht zu viel versprechen (lassen) und diese ebenso zurückhaltend einsetzen wie andere Dünger.

Wer eigenen Kompost ansetzt, weiß nicht nur genau über die Herkunft der „Rohstoffe“ Bescheid, sondern kann sich auch den Kauf von Düngern weitgehend sparen. Für die meisten Nutz- und Zierpflanzen genügen 0,5 – 2l Kompost pro qm und Jahr, für Starkzehrergemüse wie Tomaten und Kohl sowie Obstgehölze rund 3 l. Wüchsige Pflanzen brauchen zusätzlich noch etwas Stickstoff, ergänzt duch Hornspäne, Brennnesseljauche, Vinasse oder Schafwollpellets, sowie Kalium, im Biogarten ausgebracht über Patentkali, Vinassekali oder Beinwelljauche. Etwa alle drei Jahre empfiehlt sich außerdem eine Erhaltungskalkung, z.B. mit Algen-, Dolomit-oder kohlensaurem Kalk.

Beim Stichwort Überdüngung denkt man meist an Kunst- bzw. Mineraldünger. Doch auch mit Naturdüngern kann der Boden überversorgt werden – ja, sogar mit Kompost. Wird ständig mehr Kompost ausgebracht, als hier genannt, reichert sich oft zu viel Phosphat an, teils auch Magnesium und Kalium. Dadurch wird die Aufnahme anderer Nährstoffe blockiert; die Folge sind Mangelerscheinungen. Um dem vorzubeugen, empfiehlt sich alle drei bis vier Jahre eine professionelle Bodenuntersuchung. (9102 logl)

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